Unsere Haare sind weit mehr als ein Teil unseres Körpers. Sie prägen, wie wir uns im Spiegel sehen und wie wir anderen begegnen. Umso mehr verunsichert es, wenn plötzlich mehr Haare in der Bürste hängen als sonst oder eine kahle Stelle auftaucht, die gestern noch nicht da war. Haarausfall kann Frauen, Männer und auch Kinder treffen – und er hat viele Gesichter.
In diesem Beitrag geben wir Ihnen einen ersten Überblick über das Thema Alopezie: Wie sich Haarausfall zeigen kann, welche Ursachen dahinterstecken können und warum es sich lohnt, früh zu handeln. Den einzelnen Formen und Ursachen widmen wir uns in den kommenden Beiträgen noch ausführlicher.
Was bedeutet Alopezie?
Alopezie (lateinisch Alopecia) ist der medizinische Oberbegriff für Haarausfall, der über das normale Maß hinausgeht. Ein gewisser täglicher Haarverlust ist ganz natürlich, denn unsere Haare erneuern sich ständig. Von Alopezie spricht man, wenn deutlich mehr Haare ausfallen, als nachwachsen, und sich sichtbare lichte oder kahle Stellen bilden.
Die richtige Anlaufstelle ist die Hautärztin oder der Hautarzt. Denn Haare und Kopfhaut gehören zur Haut – und nur eine fachärztliche Untersuchung kann klären, welche Form des Haarausfalls vorliegt und welche Behandlung infrage kommt.
So unterschiedlich kann sich Haarausfall zeigen
Haarausfall ist nicht gleich Haarausfall. Je nach Form und Ursache zeigt er sich ganz unterschiedlich:
Kreisrunde kahle Stellen: Plötzlich entstehen eine oder mehrere runde, glatte Stellen ohne Haare – oft münzgroß. Dieses Bild ist typisch für den sogenannten kreisrunden Haarausfall, die Alopecia areata.
Rückzug wie ein Kranz: Bei einer besonderen Form beginnt der Haarverlust am äußeren Rand – im Nacken, an den Schläfen und hinter den Ohren – und setzt sich von dort nach oben fort. Weil sich die kahle Zone wie ein Kranz um den Kopf legt, sprechen wir hier von einem Kranzrückzug.
Rückzug von der Stirn aus: Auch der umgekehrte Weg ist möglich. Die Haarlinie weicht zunächst an der Stirn und den Geheimratsecken zurück, später lichtet sich häufig der gesamte Oberkopf. Dieses Muster sehen wir vor allem bei Männern.
Ausdünnung am Oberkopf: Bei Frauen zeigt sich Haarausfall häufiger als flächige, diffuse Ausdünnung am Oberkopf. Der Scheitel wird breiter, die Kopfhaut schimmert durch – manchmal zusammen mit einem Rückzug an der Stirn.
Diffuser Haarausfall: Die Haare werden am ganzen Kopf gleichmäßig lichter, ohne dass einzelne kahle Stellen entstehen.
Alopecia areata: wenn das Immunsystem die Haarwurzel angreift
Die Alopecia areata ist eine Autoimmunerkrankung. Das bedeutet: Das körpereigene Abwehrsystem richtet sich irrtümlich gegen die Haarwurzeln und bringt sie dazu, das Wachstum einzustellen. Die gute Nachricht ist, dass die Haarwurzeln dabei in der Regel nicht zerstört werden, sondern gewissermaßen ruhen. Ein Nachwachsen ist deshalb grundsätzlich möglich.
Die Alopecia areata kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Manche Menschen haben nur eine einzelne kahle Stelle, die nach einiger Zeit wieder zuwächst. Bei anderen breitet sich der Haarausfall über den ganzen Kopf aus (Alopecia areata totalis) oder betrifft sogar die gesamte Körperbehaarung – einschließlich Augenbrauen und Wimpern (Alopecia areata universalis).
Typisch für diese Erkrankung ist ein Verlauf in Schüben. Phasen, in denen sich der Haarausfall verstärkt, wechseln sich mit ruhigeren Phasen oder Phasen des Nachwachsens ab. Viele Betroffene erleben, dass sich ihr Haar gerade in Zeiten des Umbruchs – etwa beim Wechsel der Jahreszeiten – verändert, zum Besseren wie zum Schlechteren. Das macht die Alopecia areata ein Stück weit unberechenbar.
Die Ursachen sind so vielfältig wie die Formen
So unterschiedlich Haarausfall aussehen kann, so vielfältig sind auch seine möglichen Auslöser. Häufig spielen mehrere Faktoren zusammen:
Stress: Körperliche und seelische Belastungen gehören zu den häufigsten Auslösern. Stress kann wiederum ganz verschiedene Ursachen haben – darauf gehen wir in einem eigenen Beitrag genauer ein.
Erbliche Veranlagung: Der erblich bedingte Haarausfall ist die häufigste Form überhaupt. Die Haarwurzeln reagieren dabei empfindlich auf bestimmte Hormone und werden über die Jahre immer feiner, bis sie ihr Wachstum einstellen.
Medikamente: Manche Medikamente können Haarausfall als Nebenwirkung auslösen. Besonders bekannt ist der Haarverlust während einer Chemotherapie.
Alter: Mit den Jahren verändert sich auch das Haar. Es wird feiner, wächst langsamer und kann lichter werden.
Jedes dieser Themen möchten wir in den kommenden Beiträgen genauer beleuchten.
Diagnose und Behandlung beim Hautarzt
Am Anfang steht eine gründliche Untersuchung. Die Hautärztin oder der Hautarzt betrachtet Kopfhaut und Haare genau, fragt nach Vorerkrankungen, Medikamenten und belastenden Lebensphasen und veranlasst bei Bedarf eine Blutuntersuchung.
Je nach Diagnose gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Dazu können Nahrungsergänzungsmittel bei einem nachgewiesenen Mangel gehören, entzündungshemmende Wirkstoffe, die direkt auf die Kopfhaut aufgetragen oder gespritzt werden, sowie Präparate, die hormonell auf die Haarwurzeln wirken.
Wie der Haarausfall auf eine Behandlung reagiert, ist sehr individuell. Er kann sich beruhigen, zum Stillstand kommen – oder aber unbeeindruckt fortschreiten, im schlimmsten Fall bis zum vollständigen Verlust der Haare. Bei manchen Betroffenen gehen dann auch die Haare am gesamten Körper verloren.
Hoffnung und Geduld: Der Verlauf bleibt offen
So belastend eine solche Diagnose ist: Es gibt Grund zur Hoffnung. Gerade bei der Alopecia areata bleiben die Haarwurzeln in der Regel erhalten. Deshalb können sich die Haare auch nach längerer Zeit – teilweise nach Jahren – vollständig erholen. Viele Menschen erleben, dass ihr Haar zurückkehrt und sie das Thema Alopezie hinter sich lassen können.
Gleichzeitig gehört zur Wahrheit, dass sich der Verlauf nicht vorhersagen lässt. Schübe können kommen und gehen. Geduld ist deshalb ein wichtiger Begleiter – und die Gewissheit, auf jede Entwicklung vorbereitet zu sein.
Warum Sie bei ersten Anzeichen zum Hautarzt gehen sollten
Unser Rat an jeden Menschen lautet deshalb: Lassen Sie sich bei den ersten Anzeichen von Haarausfall hautärztlich untersuchen. Warten Sie nicht ab, ob es von selbst besser wird.
Denn Haarausfall kann in manchen Fällen sehr schnell voranschreiten. Innerhalb weniger Wochen nach der Diagnose ist ein großflächiger oder sogar vollständiger Haarverlust möglich. Die Therapien dagegen brauchen Zeit, oft mehrere Monate, bis sie eine Wirkung zeigen. Je früher die Ursache bekannt ist und eine Behandlung beginnt, desto mehr Möglichkeiten bleiben offen.
Achten Sie deshalb auf diese Warnzeichen: plötzlich auftretende kahle Stellen, auffallend viele Haare auf dem Kopfkissen oder in der Bürste, einen breiter werdenden Scheitel oder eine zurückweichende Haarlinie.
Gut vorbereitet sein: Haarersatz wie ein Abendkleid im Schrank
Unabhängig davon, welche Therapie Sie beginnen: Eine große Entlastung kann darin liegen, bereits eine Lösung in der Hinterhand zu haben. Stellen Sie sich ein Abendkleid vor, das Sie für ein besonderes Fest vorbereitet haben und das schon im Schrank hängt. Allein das Wissen, dass alles bereit ist, beruhigt. Sie müssen sich keine Sorgen mehr machen, sondern können dem Tag gelassen entgegensehen.
Genauso kann ein vorbereiteter medizinischer Haarersatz für mentale und emotionale Entspannung sorgen. Vielleicht brauchen Sie ihn nie. Doch wenn der Haarausfall schneller voranschreitet als erhofft, stehen Sie nicht unvorbereitet vor dem Spiegel. Sie haben dann bereits in Ruhe ein Zweithaar ausgewählt, das zu Ihnen und Ihrer Persönlichkeit passt – statt unter Zeitdruck eine Entscheidung treffen zu müssen.
Gut zu wissen: Bei krankheitsbedingtem Haarverlust und einer ärztlichen Verordnung beteiligen sich die Krankenkassen in vielen Fällen an den Kosten für medizinischen Haarersatz. Wir beraten Sie gern dazu, wie Sie dabei vorgehen.
Wir begleiten Sie auf Ihrem Weg
Genau hier kommen wir ins Spiel. In unserer Praxis für Perücken nehmen wir uns Zeit für Sie, hören zu und finden gemeinsam den Haarersatz, mit dem Sie sich wohlfühlen. Ob Sie gerade erst die Diagnose erhalten haben oder bereits mitten in der Behandlung stehen – gern gehen wir diesen Weg mit Ihnen.
Die Beratung ist persönlich vor Ort in unseren Standorten oder bequem überregional in einer Video-Beratung möglich. Vereinbaren Sie einfach ein unverbindliches Beratungsgespräch.
In unseren nächsten Beiträgen stellen wir Ihnen die einzelnen Formen der Alopezie und ihre Ursachen genauer vor – schauen Sie gern wieder vorbei.



